Im Gespräch: mein künstlerischer Weg
Du erforschst in deiner Kunst das Thema Identität. Was hat dich zu diesem Thema geführt und warum lässt es dich nicht los?
In meiner Zeit als Portraitfotografin habe ich viel mit Menschen gearbeitet.
Es gab tolle Projekte, aber auch viele, bei denen ich gemerkt habe, dass ich an der Oberfläche bleibe.
Die Frage, die mich dabei schon immer angetrieben hat: Wer sind wir wirklich?
Nicht die Rolle, nicht das Bild, das wir nach außen zeigen, sondern das, was darunter liegt.
Ich habe beobachtet, dass viele Menschen vor allem im Außen schauen. Was machen andere, wie sehen andere aus, wie leben andere. Das ist der einfachste Weg.
Sich mit sich selbst zu beschäftigen ist unbequemer, aber es ist auch der interessanter.
Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder Mensch sein ganz eigenes Potenzial mitbringt.
Das Thema Identität lässt mich auch nicht los, weil es so vielschichtig ist.
Sie kann sich im Laufe des Lebens wandeln, manche leben auch unterschiedliche Identitäten parallel.
Das finde ich faszinierend.
Wen sprichst du mit deiner Kunst an?
Meine Kunst ist für Menschen, die tiefer schauen wollen.
Die sich gerne reflektieren und sich manchmal fragen, ob das was sie gerade leben wirklich ihres ist.
Menschen, die das Gefühl kennen, mehr zu funktionieren als zu leben.
Oder die spüren, dass da noch etwas ist, das noch keinen Raum gefunden hat.
Was diese Menschen oft gemeinsam haben: Sie sind im Außen sehr präsent und trotzdem manchmal weit weg von sich selbst. Vielleicht stehen sie gerade an einem Punkt, an dem sie etwas verändern möchten.
Und eines meiner Werke kann sie daran erinnern, was schon immer da war.
Oder etwas in Bewegung bringen.
Was ist die schönste Seite deiner Arbeit und was die anspruchsvollste?
Es gibt Momente, in denen ein Werk mehr bewirkt als Worte es könnten. Wenn jemand länger davor stehenbleibt, Fragen stellt, man ins tiefere Gespräch kommt. Das ist das, wofür ich arbeite.
Die Kehrseite ist, dass ich bei jeder Figur sehr tief in ihre Identität eintauche. Das ist faszinierend, aber manchmal muss ich auch innehalten und schauen, was ist noch meins und was gehört der Figur.
Wer so nah am Thema Identität arbeitet, kommt um diese Frage nicht herum.
Mein Wunsch: Die Wirkung meiner Kunst auf dich.
Was ich mir wünsche, ist, dass jemand vor einem meiner Werke steht und sagt: Das ist wie für mich gemacht.
Nicht weil es ins Wohnzimmer passt, sondern weil es etwas berührt, was vielleicht schon immer da war.
Dass es begleitet. Dass es etwas in Bewegung bringt.
Ein gutes Werk hört nicht auf zu wirken, wenn man den Raum verlässt.